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1420 schrieb Graf Eitelfritz vom Schlosse Hornstein seinem Bruder, dem Oettinger auf Burg Zollern, er sei „ein ehrloser, rechtloser, erbloser, verteilter, maineider morder". Der Markgraf von Baden und der Oettinger gelobten, von ihren Burgen, dem „sloss Hechingen" und dem „sloss Zolre" Frieden gegeneinander zu halten. Der Hofrichter zu Rottweil richtete an den Offizial zu Konstanz das Verlangen, er solle über den geächteten Oettinger den Kirchenbann aussprechen und gegen ihn einschreiten, damit Graf Eitelfritz in den Besitz der Güter des Geächteten gelange. 1421 Am 27. Mai wurde Graf Eitelfritz vom Hofgericht zu Rottweil „geanleitet" auf die Güter des Oettingers, Zoller, Burg und Berg, auf Hechingen die Stadt und die alte Stadt, die fast immer unter die Dörfer gezählt wurde. In diesem Besitztum sollten auch die Gräfin Henriette und ihre Söhne, die Grafen Ulrich und Ludwig, den Grafen schützen. Der geächtete Oettinger, der kaum mehr etwas zu verlieren hatte, suchte von der Burg Zollern aus die Gebiete seiner Gegner heim. Zu seinen Lehens- und Dienstmannen hatten sich fremdes Kriegsvolk gesellt, fahrende Ritter und herrenlose Reisige aus ganz Schwaben und überallher. An Waffen fehlte es nicht und Lebensmittel holte sich der Graf, wo er sie fand. Die Stadt Hechingen dürfte er dabei nicht verschont haben. Die Volksüberlieferung wußte zu erzählen, er habe einmal in der Nähe des Oberen Tores einen mit der Ausbesserung des Daches am sogenannten Schäfertum beschäftigten Maurer im Übermut heruntergeschossen und sei nach dieser Untat lachend mit seinem Troß weitergeritten. 1422 trat auf Betreiben der vom Grafen Fritz dem Oettinger vielfach feindlich behelligten Bürger Rottweils der Bund der schwäbischen Reichsstädte, deren oberster Feldhauptmann der Oettinger noch im Jahre 1411 gewesen war, in Ulm zusammen und faßten den Beschluß, den „unruebigen" Grafen mit Krieg zu überziehen. Am 23. Mai sandte ihm Rottweil den Absagebrief. 17 weitere Reichsstädte schlössen sich an und bekriegten den Oettinger: Nördlingen, Dinkelsbühl, Augsburg, Ulm, Memmingen, Kempten, Kaufbeuren, Isny, Ravensburg, Leutkirch, Pfullendorf, Biberach, Bopfingen, Giengen, Aalen, Gmünd und Weil. Die Reichsstädte Esslingen und Reutlingen nahmen am Krieg gegen Zollern nicht teil, doch rückte ein Aufgebot aus dem Balinger Amt, das bis 1403 zollerisch gewesen war, gegen die Zollerburg an. Zu den Feinden des Oettingers gesellten sich die Gräfin Henriette von Württemberg. Auch sie ließ ihr Aufgebot zu dem Belagerungsheer vor der Zollerburg stoßen. Graf Eitelfritz leistete mit Rat und Tat Beistand. Um Pfingsten begann die Einschließung. Fast den ganzen Sommer über dauerte die Anfuhr des Belagerungsgeräts, namentlich der Wurfmaschine und Büchsen. Steine mit einem Gewicht bis mehr als einem Zentner wurden gegen die Mauern geworfen.* Das Belagerungsheer erreichte schließlich eine Stärke von rund 3500 Mann. Die eigentliche Belagerung der Burg begann um Jakobi. Das Hauptquartier war im Kloster Stetten. Dort ließen sich, wie ein Chronist sagt, die Recken „gar linde betten". Die Heiligkreuzkapelle diente vermutlich als Wachstube. In weitem Umkreis, bis nach Zwiefalten, requirierte das Kriegsvolk seine Verpflegung, auch die Stadt Hechingen mag manch unliebsamen Besuch erhalten haben. Die Befehlshaber huldigten der Jagd. Auf dem Felde zwischen den Hängen des Zollerbergs und der Stadt entwickelte sich ein buntes Lagerleben. Krämer aus den Reichsstädten errichteten dort ihre Marktbuden. Am 7. September nach Einbruch der Dunkelheit versuchten die Reichsstädter, die Burg zu stürmen. Sie wurden abgeschlagen. Am 1. und 2. November zog der größte Teil des Belagerungsheeres ab, nur etwa 600 Mann blieben vor der Zollerburg. Diesen Umstand nützte der Oettinger und entkam Ende des Jahres unangefochten nach Baden und Lothringen. 1423 Am 6. Januar fiel die „treue Maid aus dem Steinlach", die aus Mössingen stammende Geliebte des Oettingers, in die Hände der Belagerer, als sie heimlich Lebensmittel und Arznei auf die Burg bringen wollte. - Ende Februar kehrten die im Herbst abgezogenen Städter zurück und nahmen die Belagerung der Zollerburg wieder auf. Am 12. Mai kamen Boten des Pfalzgrafen, des Herzogs von Lothringen und des Markgrafen von Baden und empfahlen den Belagerern schonendes Vorgehen. - Am 14. Mai wurde die Übergabe der Burg zwischen dem tapferen Kommandanten Menloch von Dettlingen, Flähinger und den Reichsstädtern vereinbart. Die einjährige Belagerung hatte die Besatzung, deren Nahrung zuletzt nur aus „ohngemalen Korn" und Wasser bestand, „blöd und schwach" gemacht. Am 15. Mai erfolgte die Übergabe an Ulm als Vorort des Städtebundes. Die Namen der 32 überlebenden Verteidiger sind auf einer Tafel in der Michaelskapelle der Burg verewigt. Nach Pfingsten, auf St. Urbanstag, wurde die „Krone aller Burgen in Schwaben und Alemannien", die bis dahin „wie ein Stern geleuchtet", das „vesteste hauss in teutschen Landen", „ausgebrannt und von Grund aus gebrochen". Auf den Trümmern pflanzten die frohlockenden Reichsstädter das Reichsbanner auf. Ein Erlaß des Kaisers Sigismund vom 25. Oktober aus Ofen verbot „für ewige Zeiten" den Wiederaufbau. |
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* Noch in neuerer Zeit sind solche kugelförmigen Steine in größerer Anzahl beim Ziegclhacher Hof gefunden worden. |
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